Waldgartenverein Lübschützer Teiche e.V.

Chronik - Die Gründung der Laubenkolonie am Sorgenberg

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Die GrüŸndung der Laubenkolonie am Sorgenberg

Die Überlegungen zur besseren und ständigen Nutzung des kargen Bodens am Sorgenberg scheinen aber wohl schon früher zu einem Ergebnis geführt zu haben, denn bereits am 1. Juli 1933 wurden die ersten Pachtverträge für einen „Laubenplatz mit Garten“ abgeschlossen. In der Vergangenheit gab es immer wieder Überlegungen, warum der Besitzer des Geländes, der Vorstand der Hauptverwaltung der Gräflich von Hohenthal-Püchau‘ schen Güter, Parzellen von jeweils 200 qm zum Bau von Laubengrundstücken an Siedler übergab. Eine erste Theorie bestand darin, dass er das aus Dank für die Hilfe der Zeltler bei der Naturkatastrophe im Jahr 1926 getan habe. Das dürfte aber wohl sehr weit her geholt sein, denn seinen Dank erst sieben Jahre später abzustatten, ist unwahrscheinlich. Es gab auch die Meinung, dass er das nach dem Überfall vom 23. Juli 1933 aus Opposition gegen die Nazis getan habe. Aber auch das dürfte nicht stimmen, denn die ersten Parzellen wurden ja schon etwa drei Wochen vor dem Überfall übergeben. Der wahre Grund scheint die Überlegung gewesen zu sein, dass man den etwas entfernt von den Teichen liegenden Boden als Pachtgrundstücke nutzen könnte und damit ein wirtschaftlicher Nutzen entstehen würde. Laubenkolonie am SorgenbergFür diese Theorie spricht auch die Tatsache, dass die ersten etwa 60 Laubenplätze im Flurstück 153 des Flurbuchs zu Lübschütz, d.h. im oberen Teil der heutigen Siedlung, zur Nutzung übergeben wurden. Diese ersten Laubengrundstücke entstanden von der Nordseite des Lübschützer Weges bis zur Südseite des Igelweges, zwischen dem Salamanderweg und dem Grillenweg und umfaßte nach der Erweiterung das Gelände zwischen dem Bienenweg und dem Igelweg bis hin zum Fuchsweg. Die damaligen Vereinbarungen (Übergabeprotokolle) sind nur noch bei wenigen heutigen Besitzern vorhanden und betreffen die damaligen Pachtgrundstücksnummern 8 und 12. Diese Grundstücksnummern sind jedoch nicht mehr mit den heutigen identisch. Eigenartigerweise wurden auch beim Abschluß von Pachtverträgen im Jahr 1938 zum Teil die Pacht bis zum Jahr 1933 rückdatiert. Dieser erste Abschnitt der sich nun herausbildenden Siedlung nannte sich „Laubenkolonie am Sorgenberg“. Und die Pachtverträge wurden abgeschlossen über einen „Laubenplatz mit Garten“.
PachtvertragDas Pachtgeld betrug 6 Reichsmark pro Jahr. Es war also nicht vorgesehen, hier eine Gartenkolonie nach dem Vorbild der Schrebergärten anzulegen. Im Gegenteil. Die landwirtschaftliche oder besser gärtnerische Nutzung war ausdrücklich untersagt. Es war nur gestattet, ja erwünscht, Anpflanzungen vorzunehmen, die der Verschönerung des Laubenplatzes dienten. Verpachtet wurden 200 qm große karg bewachsene Flächen zur Erholung. Auf ihnen sollten die Pächter Lauben bauen, deren Bau jedoch vom Hochbauamt bzw. der Gemeinde Lübschütz genehmigt werden mußten.
Für diese Lauben gab es als Vorgaben: Die bebaute Grundfläche der Wohnlaube durfte nicht mehr als 10 qm betragen. Sie waren mit Front nach Norden (Richtung Teiche) so zu erbauen, dass sie von der südlichen Parzellengrenze 3 Meter Abstand hielten und seitlich eine einheitliche Fluchtlinie bildeten. Sie mußte sich im Bautyp bereits vorhandenen Wohnlauben anpassen. Als Baustoff war vorwiegend Holz zu verwenden. Steinerne Fundamente waren auf das Mindestmaß zu beschränken. Die Laube durfte übrigens nicht als ständiger Wohnsitz benutzt werden. Die Tierhaltung war auf dem Pachtland natürlich verboten. Die Pächter hatten folgende Aufgaben zu erfüllen: Sie hatten die angrenzenden Wirtschaftswege instand zu halten, die Grenzsteine zu pflegen und die Wiesen im Grundstück zu düngen. Weiterhin hatten sie auf eigene Kosten die Mäusevertilgung durchzuführen und bei Notwendigkeit den Maulwurfsfänger zu entlohnen. Die Verpächter wollten also im Grunde genommen die Zeltplatzsituation im oberen Teil des Sorgenberges mit festen Bebauungen und ständigen Nutzern kultivieren. LaubenLaubenDie Städter sollten nicht im Frühsommer ihre Zelte errichten, die sie im Herbst wieder abbauten, sie sollten nicht die angelegten Gärten im Herbst der Natur preisgeben und im Frühjahr dann wieder an anderer Stelle neu beginnen. Sie sollten auch nicht ihre Einrichtungsgegenstände über den Winter in die Stadt zurück bringen müssen. So sollten sie an die Lübschützer Teiche gebunden werden. Zugleich konnte man Einfluß darauf nehmen, wer sich hier niederlassen durfte. Die Auswahl der Parzellen bei der Verpachtung erfolgte in Form der Zuweisung durch den Badepächter, der auch, ebenso wie beim Zeltplatz, die Verwaltung der Siedlung ausübte. Aus den vorhandenen Dokumenten ist nicht mehr zu entnehmen, wie viele solche Parzellen exakt im Jahr 1933 vergeben wurden. Es dürften aber maximal 60 gewesen sein, denn es scheinen auch Parzellen nicht vergeben worden zu sein und einige Pächter erhielten auch zwei, also 400 qm, zugesprochen. Mit der Verpachtung dieser ersten Laubengrundstücke entstand bei weitem noch kein Verein. Es war tatsächlich eine Anhäufung von Parzellen, die nur individuelle Bindungen der Pächter an den Grundherren und seinen Verwalter hatten. Über das Leben in diesem ersten kleinen Teil der Siedlung sind uns keine Erinnerungsberichte überliefert. Auch in den Akten des Rittergutes Püchau und der Amtshauptmannschaft Wurzen finden sich keine Hinweise.

Die Erweiterung der Siedlung

In den Jahren 1937 und 1938 wurde die Laubenkolonie wesentlich erweitert. Auf den Flurstücken 153 und 248 kamen die Laubenplätze 65 bis 144 hinzu. Auch hier trifft zu, dass einige Grundstücke (zu diesem Zeitpunkt 23) nicht vergeben wurden und andere Pächter zwei zusammenhängende Gärten pachteten. Die Pachtverträge liegen im Leipziger Staatsarchiv vor und es zeigt sich, dass die große Mehrzahl der Pächter aus dem Leipziger Osten kam, aber auch andere Leipziger und auch Engelsdorfer gehörten zu den Pächtern. Bis 1940 wurden nach und nach auch die noch freien Grundstücke des Siedlungsgebietes von 1933 verpachtet. Eine nochmalige Erweiterung der Kolonie erfolgte dann in der ersten Hälfte der 40er Jahre. Nunmehr wurden Parzellen auf dem ehemaligen Fußballplatz nördlich des Igelweges und entlang des Alfred-Frank-Weges bis zur heutigen Bebauungsgrenze vergeben. Bedacht wurden hier vor allem jene Dauercamper, die ihre ständigen Zelte auf dem Dammweg aus forstwirtschaftlichen Gründen nicht mehr errichten durften. Die Parzellen am Alfred-Frank-Weg konnten sich dann etwa 1945/46 noch etwas vergrößern, denn der Verpächter wollte den Randstreifen zur Straße nicht bewirtschaften und schlug ihn den Parzellen zu. Diese Parzellen wurden erst 1969 an die Elektroversorgung angeschlossen.

Der Karl-May-Pfad

Karl May PfadNoch bevor die Wege in der Laubenkolonie Namen erhielten, „verliehen“ die Siedler dem heutigen Igelweg die Bezeichnung
Karl-May-Pfad. Der Grund war, dass hiereine Gruppe von Hobbyindianern baute und mit Wigwam, Lagerfeuer und Indianerausrüstungen ihr schönes Hobby betrieb.

Nun begann auch hier ein reges Treiben. Die Lauben wurden errichtet, Bäume wurden gepflanzt, Blumenbeete und Rabatten wurden angelegt. Siedlungsbewohner, deren Eltern schon damals einen der Gärten erpachteten, können sich noch erinnern, dass die Siedler versuchten, den Boden zu verbessern. Dazu mußten als erstes die Steine abgelesen und weggebracht werden. Da die Bodenqualität nicht allein mit Umgraben und Rasenanlegen verbessert werden konnte, hatten sie als Kinder die Aufgabe, mit Säcken und Handwagen fruchtbarere Erde heranzuholen. Natürlich sollte das möglichst von weiter abgelegenen Feldern erfolgen, denn wenn man das auf den Feldern des Verpächters tat und erwischt wurde, dann konnte das unangenehme Folgen haben. Aus dem Jahr 1938 liegen auch die ersten nachweislichen Baugenehmigungen für Lauben vor. Diese umfaßten einen Wohnraum, eine Küche, die Toilette und in der Laube auch einen kleinen Geräteraum mit Zugang von der Hinterseite der Laube. Natürlich besaßen die Lauben im Jahr 1938 weder einen Wasser- noch einen elektrischen Anschluß. Die Holzlauben waren zumeist durch das Rindenholz charakterisiert. Dieses Abfallholz konnte durch Vermittlung des Oberförsters billig in der Sägemühle Lübschütz erworben werden.

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