Waldgartenverein Lübschützer Teiche e.V.

Chronik - Laubenbau in den 60er Jahren

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Laubenbau in den 60er Jahren

LaubenbauIn der Siedlung wurden in den 60er Jahren zahlreiche Lauben neu gebaut, auch der Umbau älterer Lauben wurde in Angriff genommen. Wie so ein Neubau im Jahr 1963 vor sich ging, schildert Siedlerfreund Rolf Buschmann in einem Bericht. Zunächst musste jedoch eine Parzelle ausgesucht werden, die zu jener Zeit noch vergeben wurden: „Mit Vergnügen erinnere ich mich noch heute an (Sohnemann) Günters Ausrufe ‚Vati, die nehmen wir!’ Doch erst am Ende des Rundgangs hatten wir den idealen Standort gefunden, ein sehr großes, verwildertes Gelände. Kurz gesagt: Der Vorstand sprach uns die große Parzelle zu, wir waren ja zwei Familien, mit Viewegs als Partner. Wir wollten eine Laube bauen, aber woher nimmt man im Jahre 1963 Baumaterial? Der Zufall kam uns zu Hilfe. Am Markt wurde eine riesige Baracke abgerissen, die nach dem Kriege – die Alte Waage war ausgebombt – als Behelfsbau für ein Reisebüro und eine Theaterkasse des Messeamtes gedient hatte. Die mit dem Abriss beauftragte Firma verkaufte in einer Baubude die gewichtige Dachverschalung. Innerhalb von Minuten erwarb ich 200 Quadratmeter für den Schnäppchenpreis von 1.- Mark pro Quadratmeter. Gearbeitet wurde abends, an den Wochenenden und im Urlaub, da wir alle berufstätig bzw. schulpflichtig waren. Viewegs Trabant hielt als leistungsfähiger Transporter her. – Nachdem es auf der Parzelle los ging, fuhren Buschmanns mit dem Personenzug vom Leipziger Hauptbahnhof bis Machern. Dem folgte der Fußmarsch bis ans Ende der Siedlung, etwa 45 Minuten.
Wir schleppten die Lebensmittel, holten Wasser an der Quelle am Teich (Quellweg!) oder am Brunnen am Hauptweg. Ein Anschluss an das Stromnetz existierte noch nicht. Aber was machten uns die Strapazen schon aus! Wir waren jung und begeistert, Lübschütz bot Romantik und Erfolgserlebnisse. Bauen ist ein gutes Hobby . . . Unser erstes Fundament gossen wir unter fachmännischer Anleitung des Maurers Max Loch. Schaufel, Rechen und Gießkanne ersetzten den Betonmischer. Wehe demjenigen, der die Anweisungen des Meisters nicht befolgte oder gar ein Streichholz in den Beton schnippste. Am 14. August 1964 erhielten wir dann auch die Baugenehmigung für die längst fertige Laube!“ Auf ähnliche abenteuerliche Weise wurden in jener Zeit viele der noch heute stehenden Lauben errichtet. Holz, Zement, Kalk, Steine, alles war nur mit Schwierigkeiten zu beschaffen, auch Transportmittel standen kaum zur Verfügung. Lediglich zu Sand und Kies gab es infolge der nahe gelegenen Sandgrube Zugang, die LPG Püchau karrte die gewünschten Mengen bis vor den Garten.

"Baulšöwe" Otto SchŠäfer

In den 60er Jahren leitete Siedlerfreund Otto Schäfer die Baukommission – es gab weiter eine Kultur- und eine Parzellenkommission. Buschmanns LaubeOtto Schäfer interessierte sich nicht nur für das Baugeschehen in der Siedlung, er hatte offenbar auch Spaß am Bauen. Er errichtete jeweils eine Laube – und dann suchte er sich eine neue Parzelle, in die er ein Häuschen setzte. Dreimal hielt er es so, die dritte und letzte Parzelle mit neu gebauter Laube erhielt Gertrud Frank, die Witwe Alfred Franks. Sie war schon hochbetagt und wollte die Parzelle eigentlich gar nicht, nahm sie aber dann doch. Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre wurden die Parzellen südlich des Lübschützer Weges vergeben, sie reichten in West-Ost-Richtung vom Sonnenblumenweg bis zum Ahornweg. 1969 wurde die südliche Spitze der Siedlung bebaut, die wegen der für damalige Verhältnisse schon komfortableren Bauten die Bezeichnung „Protzendorf“ erhielt. Damit bekam die Siedlung ihre endgültige Gestalt. Zugleich wuchs ihre Attraktivität. Nun war es tatsächlich schwierig geworden, eine Parzelle zu bekommen. Beim Vorstand existierte eine lange Warteliste mit bis zu 40 Bewerbern, mehr wurden nicht zugelassen. Es war schon kompliziert, auf die Warteliste zu kommen. Noch schwieriger war es jedoch, einen Garten zu erhalten.
BesiegeltDie Aussicht darauf stieg, wenn sich ein Bewerber dazu bereit erklärte, in der Siedlung eine Funktion zu bekleiden. Das blieb so bis zum Ende der DDR.

Bahn-Doppelkarte fŸür KleingŠärtner hin und zurŸück füŸr 1,20 Mark

Siedlerfreund Rolf Buschmann erinnert auch an den Weg, den viele Siedler an den Wochenenden zwischen Leipzig und ihrem Garten zurücklegten: „Auch das gehört zur Geschichte unseres Vereins: Eine Fahrkarte vom 7. 11. 1965 für den Personenzug Leipzig Hbf – Machern, hin und zurück für 1,20 Mark der DDR. Bahnkarte
Die Strecke war – bedingt durch die Demontage von Gleisen als Reparationsleistung für die Sowjetunion – weitgehend eingleisig, die Fahrzeit ungewiss. Wir besaßen kein Auto und nutzten die Bahnverbindung regelmäßig. Der Hin- und Rückweg von Machern zur Parzelle durch den Wald (45 Minuten) tat der Gesundheit gut. Aber das war oft auch eine ziemliche Schlepperei von Lebensmitteln oder Baumaterial. Enthusiasmus für die Lübschützer Teiche war immer ausschlaggebend für gute Laune.“ Die billige Doppelkarte für Kleingärtner gab es übrigens auf einen Ausweis mit Lichtbild, den jeder Siedler beantragen konnte. Haltepunkt MachernWenn in den 60er Jahren der Personenzug – damals übrigens noch von einer Dampflok gezogen – Sonntags vormittags auf dem Macherner Bahnhof ankam, entstieg ihm jeweils ein großer Pulk von Siedlern, die sich zum Teil kannten und in langer Schlange durch den Ort, den Park und den Wald zogen. Manche trugen Rucksäcke, andere zogen einen kleinen Wagen, einige schoben einen Kinderwagen vor sich her, auf dem man auch Gepäck unterbringen konnte. Mit den Jahren verringerte sich dieser Pulk, denn die Siedler fuhren nun zunehmend mit Trabant oder Wartburg. Hinzusetzen muss man noch, dass der jährliche Pachtpreis pro Quadratmeter bis zum Ende der DDR 2,5 Pfennig betrug. Für eine Parzelle von 500 Quadratmeter waren demzufolge 12,50 Mark im Jahr zu entrichten.

Der alte Herr mit der Flšöte

In den 60er Jahren erregte ein alter Herr Aufsehen, den die Siedler mehr vom Hören als vom Sehen kannten. Es war Herr Mieth, er wurde über 90 Jahre alt. Er kam mit der Bahn, lief den Weg vom und zum Bahnhof zu Fuß, trug einen Rucksack und spielte, wenn er auf dem Heimweg die Siedlung verließ, auf seiner Okarina Abschiedslieder. Wenn dann „’s ist Feierohmd“ oder „Guten Abend, gute Nacht“ über die Gärten erklang, sagten die Kinder achtungsvoll: „Horch, der alte Herr mit der Flöte geht jetzt nach Hause.“

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